"Lust statt Frust" - Renault AE als echtes Unikat



Schwere Abschlepper kauft man nicht von der Stange. Auf ihr Einsatzprofil zugeschnitten sind sie Einzelstücke, die sich mehr oder weniger unterscheiden. Ein besonders schönes Exemplar ist der Renault AE von Herbert Hanke.

Abschleppwagen Sie sind doch recht selten auf unseren Straßen zu sehen, aber wenn sie kommen, ist die Lage meist ernst. Die Rede ist von Abschleppfahrzeugen. Wer sie ruft, hat nichts gutes erlebt und erwartet einfach nur Hilfe. Das gilt zumindest für die kleinen, die die Pkw herumzerren. Auch Fernfahrer haben mal Pech. Auch dann naht Hilfe auf Rädern. Wenn jetzt Herbert Hankes AE auftaucht, der mühelos 40-Tonner huckepack nehmen kann, mischt sich ein wenig Freude unter den Frust.


Abschleppwagen Mit 420-PS-Motor, nacktem Fahrgestell und Fahrerhaus kam der AE als dreiachsige Sattelzugmaschine in den Fuhrpark. Zu einem Abschleppungetüm machte ihn dann der Aufbauhersteller für Bergefahrzeuge Marcotec. Das Fahrgestell des Renault wurde verlängert, sämtliche erforderlichen An- und Aufbauarbeiten durchgeführt und das Kontergewicht an der Frontstoßstange montiert.

Gemäß den Hausfarben der Firma Happyday wurde schließlich der gesamte Truck mit knalliger pinker Farbe überzogen. "Die genaue Bezeichnung für meine Hausfarbe lautet Verkehrspurpur", gibt Herbert Hanke mit einem verschmitzten Lächeln zu. So verrichtete der AE zwei Jahre lang als fahrendes rosafarbenes Riesenbonbon seinen Dienst. Dann schlugen die Stunden von Walter Rosner aus Mitterteich. Mit sicherer Hand entstand auf der gesamten Außenhaut des Lkw ein Kunstwerk aus Lack.

Dass der Renault AE aber nicht nur schön aussieht, sondern auch anständig zupacken kann, führte uns sein Fahrer Michael Wendt vor. Nach kurzem zögern - wer lässt sich schon gern an den Haken nehmen - stellt sich Armin Bannagott aus Schönwald mit seinem AE Magnum bereitwillig für einen Schleppversuch zur Verfügung. Nur Kfz-Meister Hanke protestierte: "Ein Renault muss doch nicht abgeschleppt werden!"

Abschleppwagen

Abschleppwagen Michael Wendt, gelernter Kfz-Mechaniker, gehört seit 1993 zum Unternehmen von Herbert Hanke. Immer wenn die Dienste des Renault Schleppers gefragt sind, schlägt auch seine Stunde. Den Umgang mit seinem Arbeitsgerät ist er gewohnt. In Rekordzeit sind sämtliche Türen des Renault aufgeklappt, die Abschleppbrille ausgefahren, die Bolzen richtig eingestellt und der "liegen gebliebene" Truck aufgeladen.

Hauptsächlich im näheren Umkreis um Marktredwitz wird so Michael Wendt alles aufgeladen, was nicht mehr fahren kann oder will. Dies erklärt auch, warum der AE erst ein paar Zehntausend Kilometer heruntergespult hat. Seine Aufgabe ist es nicht, Tag für Tag Kilometer zu fressen. Doch wenn es darauf ankommt, nimmt er auch diese Hürden mit Leichtigkeit.

Auf große Tour geht es meist, wenn Busse und Lkw ortsansässiger Firmen aus dem Ausland zurückgeholt werden müssen. Seine weiteste Reise führte den AE im Sommer letzten Jahres nach Neapel, um den havarierten Van Hool-Bus eines Unternehmers aus dem Marktredwitzer Raum zurückzuholen, und ihn ohne Umweg zum Wiederaufbau nach Antwerpen zu befördern. Schließlich fuhren Herbert Hanke und Michael Wendt nach getaner Arbeit nicht nach Hause, sondern steuerten schnurstracks den im Frankenland gelegenen Brombachsee an, und besuchten das dortige Truckertreffen.

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